DVD-Kritik: Rob Marshalls Musicalfilm "Nine"

Das Cover von Nine - (c) Universum Film
Das Cover von Nine - (c) Universum Film
Daniel Day-Lewis, Nicole Kidman, Sophia Loren und Penelope Cruz sind einige der großen Namen in dem Musical „Nine", das mit vielen Extras auf DVD erscheint.

Der weltberühmte italienische Filmregisseur Guide Conti steckt in einer Krise: Seine letzten Filme sind gefloppt, zu seinem neusten Werk hat er noch keine Ideen und erst recht kein Drehbuch. Dabei sollen die Dreharbeiten in Kürze beginnen. Anstatt zu arbeiten, träumt er sich durch sein Leben und wird von den Frauen seiner Geschichte belagert. Seine Erinnerungen laufen in verschiedenen Musicalnummern ab, die Regisseur Rob Marshall bunt inszeniert hat. Aber die Rahmenhandlung hält die einzelnen Auftritte namhafter Schauspielerinnen nicht zusammen.

Die Leistungen der Schauspieler in „Nine“

Ohnehin ist im Zusammenhang mit „Nine“ stets von den Darstellern die Rede. Tatsächlich liest sich die Besetzungsliste eindrucksvoll, aber leider bilden diese Schauspieler zu keinem Zeitpunkt des Films ein Ensemble. Von den harmonischen Dreharbeiten und den Freundschaften, die am Set entstanden sind, ist viel in den Interviews auf der DVD zu hören, dem Film merkt der Zuschauer es aber nicht an. Stattdessen geben sich die Schauspielerinnen gewissermaßen die Klinke in die Hand: Penelope Cruz ist Guidos laszive Geliebte, Marion Cottillard seine sorgende Ehefrau, Kate Hudson ein Groupie und Nicole Kidman seine von ihm erschaffene Filmdiva. Dagegen spielt Judi Dench seine kumpelhafte Freundin und Sophia Loren seine Mutter. Inmitten der Frauen thront Daniel Day-Lewis als Regisseur Guido – und übertreibt sämtliche schauspielerischen Mittel. Insgesamt sind die Leistungen der namhaften Darsteller enttäuschend, einzig Marion Cotillard ist überzeugend. Dagegen bleiben Nicole Kidman und Sophia Loren völlig blass, Judi Dench scheint hingegen unterfordert zu sein. Penelope Cruz scheint wenigstens Spaß an ihrer Rolle zu haben, warum sie für einen Oscar nominiert wurde, bleibt indes ein Rätsel.

Kate Hudson und „Cinema Italiano“

Ein Fremdkörper bleibt trotz ihres überraschenden Gesangtalents Kate Hudson. Das liegt aber nicht unbedingt an ihrer Leistung – ihre Rolle und der damit verbundene Handlungsstrang fügen sich nicht im Mindesten in die Gesamthandlung ein. Hier liefert der Hintergrundbericht „Die Diven von Nine“ auf der DVD eine gute Erklärung: Kate Hudsons Rolle wurde nachträglich in den Film geschrieben, weil sie beim Casting überzeugt hat. Sie singt auch „Cinema Italiano“, das extra für den Film geschrieben wurde. Dementsprechend werden das Lied und die dazugehörige Tanznummer ausführlich in den Extras gewürdigt, die Aufnahmen zeigen aber auch, welche Arbeit hinter den einzelnen Auftritten steckt.

Die Ausstattung der DVD „Nine“

Ohnehin zeigen die zahlreichen Extras auf der DVD sehr viel von den Dreharbeiten und der Entstehung von „Nine“. In „Der Look von Nine“ werden die Details der Beleuchtung, der Ausstattung etc. erläutert, darüber hinaus zeigen die Ausschnitte zu den Choreographien von „Be Italian“ und „Cinema Italiano“ welche harte Probenarbeit die Schauspieler und Tänzer absolviert haben. Dieser Aufwand wird leider im Gesamtfilm aufgrund der blutleeren Inszenierung kaum sichtbar, obwohl Regisseur Rob Marshall von allen Beteiligten in den höchsten Tönen gelobt wird. Aber natürlich ist eine DVD auch nicht der Ort, an dem Kritik geäußert wird. Sehr unterhaltsam sind schließlich die Musikvideos zu „Cinema Italiano“, „Take it all“ und „Unusual way“, wobei die ersten Lieder auch von Kate Hudson respektive Marion Cottilard gesungen werden, während „Unusual Way“ von einem Sänger statt Nicole Kidman präsentiert wird.

Abgerundet werden die Extras von zahlreichen Interviews, in denen Rob Marshall unter anderem offen bekennt, dass erst die Schauspieler gecastet wurden und dann das Drehbuch entstanden ist. Er wollte den Schauspielern die Rollen auf den Leib schreiben, aber das ist ihm leider nicht gelungen. Dem Film fehlt die Seele, die Tiefe – dabei hatte er die besten Voraussetzungen zu einem Hit: er basiert auf einem erfolgreichen Broadway-Musical, hat einen theater- und musicalerfahrenen Regisseur, ein eingespieltes Produktionsteam und gute Schauspieler. Aber auch bei einem scheinbar sicheren Projekt kann einiges schief gehen.

Die DVD ist seit dem 27. August 2010 im Verkauf erhältlich. Dauer ca. 113 Minuten. Ton: Dolby Digital 5.1 (DVD).

Sonja Hartl - Als freie Kritikerin, Autorin und Redakteurin lese, arbeite und lebe ich in Bonn.

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